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Artikel

Die Geheimnisse von MedTech und Digital Health

April 2026

Schutz verborgener Werte im Zeitalter vernetzter Gesundheitsversorgung und intelligenter Geräte

Mit der rasanten Entwicklung von KI und maschinellem Lernen in den Bereichen Medizintechnik (MedTech) und digitale Gesundheit gewinnen Geschäftsgeheimnisse zunehmend an Bedeutung als ergänzendes Instrument zum Patentschutz für das geistige Eigentum („IP“) von Unternehmen. Während Patente weiterhin eine zentrale Rolle beim Schutz grundlegender technologischer Innovationen spielen, bieten Geschäftsgeheimnisse eigenständige und unterschiedliche Vorteile, die sie besonders geeignet machen, bestimmte MedTech‑ und Digital‑Health‑Assets zu schützen.

Obwohl Patente als Goldstandard des IP‑Schutzes gelten, sind nicht alle kommerziell wertvollen Elemente patentierbar. In vielen Fällen liegt ein erheblicher kommerzieller Wert im industriellen Know‑how und in fein abgestimmten Parametern rund um die Kern­erfindungen, die deren hohe Leistungsfähigkeit ermöglichen. Dieses Wissen, das häufig durch umfangreiche Tests und Entwicklungsarbeiten entsteht, ist oft nicht patentfähig oder für eine Patentierung ungeeignet – nicht zuletzt deshalb, weil es mit der Veröffentlichung der Patentanmeldung öffentlich würde, während sein Wert gerade in seiner Geheimhaltung liegt. Wird der Patentschutz als Mittel zum Schutz dieses Wissens ausgeschlossen, wird häufig keine weitere Überlegung zum Schutz dieses wertvollen IP angestellt, sodass es potenziell ungeschützt bleibt. Hier kommen Geschäftsgeheimnisse ins Spiel.

Geschäftsgeheimnisse sind eine häufig unterschätzte Form des IP‑Schutzes, die – anders als Patente – nicht veröffentlicht werden und unbegrenzt bestehen können, sofern geeignete Vertraulichkeits‑ und Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Auch wenn ihre Durchsetzung schwieriger sein kann als bei Patenten, bieten sie einen ergänzenden Weg zum Schutz von IP, das andernfalls nur schwer zu sichern wäre. So können MedTech‑ und Digital‑Health‑Unternehmen beispielsweise erheblichen Nutzen ziehen aus:

  • Proprietären Datensätzen zur Schulung oder Validierung von KI‑Modellen
  • Modellgewichten und Abstimmungsparametern von KI‑Systemen
  • Datenfilterungs‑ und Vorverarbeitungstechniken
  • Optimierten Herstellungsparametern
  • Klinischen Datensätzen

Diese Elemente eignen sich häufig besonders gut für den Schutz als Geschäftsgeheimnis. Die Kombination von Geschäftsgeheimnissen und Patenten kann dazu beitragen, ein breiteres und robusteres IP‑Portfolio aufzubauen.

Identifizierung von Geschäftsgeheimnissen und deren Schutz

Geschäftsgeheimnisse sind nicht eingetragene IP‑Rechte, die entstehen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Damit Informationen als Geschäftsgeheimnis gelten, müssen sie geheim sein und aufgrund ihrer Geheimhaltung einen kommerziellen Wert besitzen. Zudem müssen sie Gegenstand „angemessener Maßnahmen“ des Inhabers sein, um ihre Vertraulichkeit zu wahren.

Der Erfolg eines Geschäftsgeheimnis‑Portfolios hängt maßgeblich davon ab, dass ein Unternehmen nachweisen kann, dass geeignete interne Verfahren zum Schutz dieser Geheimnisse bestehen. Es gibt keine „Einheitslösung“ – der Umfang der Schutzmaßnahmen hängt von vielen Faktoren ab, etwa von der Größe des Unternehmens, der Art der Informationen und davon, wie die geheimen Informationen in der Praxis genutzt werden.

Sinnvolle Maßnahmen können unter anderem ein unternehmensinternes Register für Geschäftsgeheimnisse, eine entsprechende Unternehmensrichtlinie, Mitarbeiterschulungen zur frühzeitigen Identifizierung von Geschäftsgeheimnissen, Ein‑ und Austrittsregelungen für Mitarbeitende mit Zugang zu Geschäftsgeheimnissen sowie Protokolle zur Beschränkung des Zugangs auf diejenigen Personen umfassen, die diese Informationen zur Ausübung ihrer Tätigkeit benötigen. Personen, die mit diesen Informationen arbeiten, müssen darüber informiert werden, dass es sich um vertrauliche Informationen handelt und dass ihr Wert in ihrer Geheimhaltung liegt, die daher strikt zu wahren ist. Zudem sollten Offboarding‑Prozesse eingeführt werden, um festzulegen, welche Informationen auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses vertraulich bleiben.

Ebenso wichtig ist es, das Risiko zu minimieren, dass Geschäftsgeheimnisse oder vertrauliche Informationen Dritter die eigenen Geschäftsgeheimnisse „kontaminieren“. So sollten beispielsweise geeignete Onboarding‑Prozesse eingeführt werden, um sicherzustellen, dass neue Mitarbeitende keine Geschäftsgeheimnisse ihres früheren Arbeitgebers in ihre neue Tätigkeit einbringen, was das Unternehmen dem Risiko kostspieliger Rechtsstreitigkeiten aussetzen könnte.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Schutz durch Geschäftsgeheimnisse ein wertvolles Instrument ist, das Patente ergänzt und insbesondere für MedTech‑ und Digital‑Health‑Unternehmen einen umfassenderen IP‑Schutz ermöglicht. Es ist wichtig, ein robustes Geschäftsgeheimnis‑Protokoll zu entwickeln, um das finanzielle Risiko einer Weitergabe kommerzieller Geheimnisse an Wettbewerber zu minimieren und die Anfälligkeit für potenzielle Risiken mit Bezug zu Dritten zu reduzieren. Wenn Sie mehr über Geschäftsgeheimnisse erfahren möchten, wenden Sie sich bitte an unsere Expertin Michelle Davies.


Dieser Artikel wurde von der Patentanwältin Amy Kelly und der Patentanwaltsanwärterin Aaliyah Adesida verfasst.

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