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Gestärkt, nicht ersetzt: Die Risiken und Vorteile des Einsatzes von KI-Tools in der Patentverfolgung

Dezember 2025

Angesichts des rasanten Aufstiegs der KI und des extremen Hypes um generative KI‑Tools am Arbeitsplatz mussten Patentkanzleien weltweit ernsthaft darüber nachdenken, inwieweit sie den Einsatz von KI in ihrer täglichen Arbeit begrüßen oder ablehnen.

Die Diskussionspunkte eines kürzlich abgehaltenen WIPR‑Webinars („AI and the Future of Prosecution: Empowering Attorneys, Not Replacing Them“) legen nahe, dass wir KI nicht als potenziellen Ersatz für menschliche Patentanwälte fürchten sollten, sondern vielmehr darüber nachdenken sollten, wie der richtige Einsatz von KI‑Tools dazu beitragen kann, die Effizienz und Qualität der Patentanmeldung zu verbessern.

In diesem Jahr war das Thema KI in der Patentanmeldung auf beiden Seiten des Atlantiks in allen Schlagzeilen zu finden. In Europa warnte das EPA davor, sich bei der Auslegung von Ansprüchen auf LLMs zu verlassen, ohne diese Schlussfolgerungen durch zusätzliche Belege zu untermauern (T1193/23). Erst in diesem Monat hat das britische Intellectual Property Regulation Board (IPReg) eine Interim Policy Statement zum Thema „Use of Artificial Intelligence in Professional Practice“ veröffentlicht, in der sie ihre regulatorische Position zu diesem Thema darlegt. Auch aus den USA gibt es spannende Neuigkeiten, denn das USPTO hat kürzlich sein neues Programm „Artificial Intelligence Search Automated Pilot“ (ASAP!) gestartet, um den Einsatz von KI zur Durchführung von Recherchen zum Stand der Technik vor der Prüfung zu testen und vor der Sachprüfung eine „Top‑Ten‑Liste“ potenzieller Dokumente zum Stand der Technik zu erstellen.

Eines ist sicher: Die Rolle des Patentanwalts entwickelt sich weiter. Dieses Webinar hat deutlich gemacht, dass es angesichts der zunehmenden Einbindung von KI in den Arbeitsalltag von Patentanwälten wichtiger denn je ist, einen Experten als „Human in the Loop“ zu haben.

Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Webinar zusammengestellt, darunter auch unsere Gedanken zu den Risiken und Vorteilen des Einsatzes von KI bei der Patentanmeldung.

Wie stehen Patentanwälte zum Einsatz von KI‑Tools für die Patentanmeldung im Jahr 2025?

Umfragen unter den Zuschauern des Webinars spiegeln eine Branche in einer experimentellen Übergangsphase wider. Während 52 % der Befragten bereits Erfahrungen mit KI gesammelt hatten, waren nur 15 % regelmäßige Nutzer.

Die Zurückhaltung ist auf berechtigte Bedenken zurückzuführen:

  • Der Löwenanteil der Befragten, nämlich 42 %, war am meisten besorgt über die Genauigkeit oder Halluzinationen der KI‑Ergebnisse.
  • Für 19 % war die größte Sorge der Datenschutz und die Vertraulichkeit.
  • Nur 3 % waren am meisten über den Verlust der Kontrolle oder Aufsicht durch den Anwalt besorgt.
  • Interessanterweise gaben 0 % an, dass sie am meisten über die Kosten oder den Aufwand für das Erlernen und die Einführung des Tools besorgt waren.
  • Die zweitgrößte Gruppe, 34 %, war über alle oben genannten potenziellen Risiken besorgt.

Daher scheint das Haupthindernis nicht die Vorabinvestition in ein KI‑Tool oder die mit der Nutzung verbundene Lernkurve zu sein, sondern die Genauigkeits‑ und Vertraulichkeitsrisiken, die durch den Einsatz von KI entstehen können.

Umgang mit den Risiken

Wie aus den Umfrageergebnissen hervorgeht, birgt die Einführung von KI für die Patentarbeit Risiken, die gemindert werden müssen, darunter:

Vertraulichkeit

Die Eingabe von Erfindungsdetails in ein öffentliches generatives KI‑Tool birgt das ernsthafte Risiko einer Offenlegung vor der Einreichung einer Patentanmeldung, was den Erhalt von Patentrechten verhindern kann.

Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen sicheren, lokalen, speziell entwickelten KI‑Tools und öffentlichen LLMs wie ChatGPT. Patentkanzleien, Erfinder und Anmelder sollten vertrauliche oder sensible Informationen wie technische Details, Zeichnungen oder beschreibende Erläuterungen stets von ungesicherten KI‑Tools fernhalten.

Halluzinationen und Ungenauigkeit

Im Gegensatz zu den meisten Menschen geben generative KI‑Modelle nie zu, ratlos oder unsicher zu sein. Sie erzeugen statistisch wahrscheinliche Wortfolgen – was zu Halluzinationen und Fehlern führen kann, etwa zu erfundenen Gerichtsentscheidungen, veralteten Gesetzen oder unzutreffenden technischen Angaben.

Darum müssen alle KI‑generierten Ergebnisse von einem fachkundigen Experten überprüft und verifiziert werden, insbesondere bei juristischen Zitaten, Verweisen auf den Stand der Technik oder technischen Beschreibungen.

Kontrollverlust und übermäßige Abhängigkeit

Manche befürchten, dass eine übermäßige Abhängigkeit von KI grundlegende Fähigkeiten der Patentanwälte beeinträchtigen oder deren Kontrolle einschränken könnte.

KI muss deshalb stets als Werkzeug verstanden werden – und nicht als Ersatz für juristische Expertise, technisches Verständnis oder strategisches Denken.

Wie KI Patentanwälte unterstützen kann

Kein Patentanwalt würde eine vollständig von KI generierte Patentanmeldung blind beim Patentamt einreichen. Wie das Webinar jedoch betonte, gibt es bestimmte Aspekte des Patentanmeldeverfahrens, die von KI‑Unterstützung profitieren können.

In der Webinar-Diskussion wurde betont, dass die Delegation grundlegender Aufgaben an KI es Anwälten ermöglicht, mehr Zeit in anspruchsvolle Tätigkeiten zu investieren, etwa das Ausarbeiten ausgewogener Patentansprüche, das Entwickeln überzeugender Argumente oder die Beratung zur Patentstrategie. Wenn du möchtest, kann ich dir auch mehrere Varianten mit unterschiedlichem Stil vorschlagen (formeller, kürzer, prägnanter).

Mögliche Einsatzbereiche für KI‑Tools

KI‑gestützte Recherche:
Viele Patentämter nutzen KI bereits aktiv zur Recherche von Stand der Technik. Auch Patentrecherchefirmen integrieren KI für Recherchen zur Patentierbarkeit, FTO oder Ungültigkeit.

Recherche: Im Webinar wurde erwähnt, dass KI von einem Patentanwalt verwendet werden könnte, um sich in technische Hintergründe einzuarbeiten oder Informationen zu spezifischen Fachgebieten zu sammeln. Selbstverständlich ist darauf zu achten, dass die Informationen ausreichend geprüft werden, um Relevanz und Genauigkeit zu gewährleisten.

Unterstützung bei der Ausarbeitung:
KI könnte helfen, Berichte, Erwiderungen oder in manchen Fällen Teile von Patentanmeldungen zu erstellen oder zu prüfen.

KI als Resonanzboden:
Fehlen Kollegen für Gespräche, kann KI dienen, um Argumente zu testen oder Lücken in der Argumentation zu identifizieren.

Talente gewinnen:
Junge Talente könnten sich eher zu modernen Kanzleien hingezogen fühlen, die innovative Tools nutzen und strategische Arbeit ermöglichen.

Mit Blick auf die Zukunft könnten Anmelder bevorzugt mit Kanzleien arbeiten, die KI verantwortungsbewusst einsetzen, um schneller hochwertige Ergebnisse zu liefern. Das wertvolle patentjuristische Know‑how wird dabei verstärkt für komplexe Fragen genutzt, nicht für Basistätigkeiten.
Die Kernaussage bleibt: Um bewährte Verfahren zu gewährleisten und Risiken sicher zu managen, muss ein menschlicher Patentanwalt die Verantwortung tragen und die vollständige Kontrolle über das Arbeitsergebnis behalten. Wie die jüngste IPReg‑Erklärung betont: Wenn Sie die Genauigkeit eines KI‑Ergebnisses nicht sicher prüfen können, fehlt Ihnen vermutlich die Kompetenz, die entsprechende Arbeit zu leisten. Dieser Grundsatz gilt für alle Bereiche des geistigen Eigentums, nicht nur für Patentanmeldungen.

Für Erfinder und Anmelder sind Zeit‑ und Kosteneinsparungen verlockend, doch die Risiken sind nicht immer offensichtlich. Daher bleibt die Beratung durch Patentanwälte entscheidend, um Risiken beim Einsatz von KI in der Patentanmeldung richtig zu verstehen und zu steuern.


Dieser Artikel wurde von der europäischen Patentanwältin Jess Davis und der Partnerin und Patentanwältin Janine Swarbrick verfasst.

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